Der Digitalpakt steht: Doch wie geht es weiter?

Veröffentlicht am: 15. Mai 2019 Autor: Ralf Koenzen Veröffentlicht in Netzpolitik Keine Kommentare

Schnell mal ein YouTube-Video im Unterricht abspielen? Mit digitalen Hilfsmitteln den Lernerfolg erhöhen? Auf dem gesamten Schulgelände auf Schulserver und Lernsoftware zugreifen? Die Digitalisierung ist für viele Schulen der Schlüssel für eine moderne Lehre. Doch vielerorts scheitert es oft an ganz grundlegenden Dingen, zum Beispiel einem funktionierenden Schul-WLAN. Hier soll der Digitalpakt Schule Abhilfe schaffen, für den Ende März eigens das Grundgesetz geändert wurde. Eigentlich, so sollte man meinen, steht damit der Digitalisierungs-Finanzspritze für die deutschen Schulen nichts mehr im Wege, oder?

Noch einiges zu tun

Zugegeben: Es ist nicht ganz einfach, den Überblick zu behalten. Auch die Vergabe der Fördermittel ist nicht ganz trivial. Bis 2023 stellt der Bund den Schulen insgesamt 5 Mrd. Euro (3,5 Mrd. in dieser Legislatur) aus dem Sondervermögen „Digitale Infrastruktur“ zur Verfügung. Die Fördermittel werden nach dem Königsteiner Schlüssel an die einzelnen Bundesländer verteilt, die wiederum für die Vergabe an die Träger und darüber an die Schulen sorgen.

Soweit die Theorie. In der Praxis stockt es aber noch an vielen Ecken und Enden. So wurde zwar die nötige Verwaltungsvereinbarung vor wenigen Tagen endlich von allen Bundesländern unterzeichnet, allerdings fehlt den Ländern noch ein ganz wesentliches Element in der Kette der Mittelvergabe: ihre eigenen Fördermittelrichtlinien. Ob die ersten Gelder tatsächlich noch in diesem Jahr fließen können, so wie es Bundesbildungsministerin Anja Karliczek propagiert, ist deshalb fraglich. Anfang 2020 als Startzeitpunkt der Investitionen in die digitale Infrastruktur erscheint hier realistischer.

Dennoch ist genau jetzt der richtige Zeitpunkt, sich grundlegende Gedanken darüber zu machen, wie das eigene Schul-WLAN aussehen soll.

Konzepte müssen her!

Eine der Grundvoraussetzungen, damit überhaupt Geld in Richtung Schule fließen kann, ist, dass die Schulen ein technisch-pädagogisches Konzept vorlegen. Genau hier drückt aber bei vielen Schulen, Trägern – und auch Schulämtern – der Schuh. Während pädagogisches Know-how naturgemäß vorhanden ist, fehlt schlicht und ergreifend das technische Wissen, um solche Konzepte erfolgreich in Eigenregie aufzusetzen. Für Fachhändler und Systemhäuser kann aber genau dieses Defizit zum Türöffner für hochspannende Vernetzungsprojekte im Bildungswesen werden. Hier lässt sich hervorragend mit der eigenen Expertise, mit schlüssigen Konzepten oder Best-Practice-Beispielen punkten. Schulen und Träger wiederum tun gut daran, sich genau dieses Know-how zu sichern und ihre Digitalisierungsprojekte mit Hilfe von Profis zu planen. Das entlastet vor allem die Lehrkräfte, die heute vielerorts auch technische Aufgaben übernehmen, obwohl die Vermittlung von pädagogischen Inhalten im Vordergrund stehen sollte. Und sorgt „ganz nebenbei“ am Ende auch dafür, dass eine sinnvoll dimensionierte und dauerhaft funktionierende Infrastruktur aufgebaut werden kann.

IT-Dienstleister als wichtiger Partner

Wichtig ist zunächst ein grundlegendes Verständnis für das Förderprojekt zu entwickeln. Beim Digitalpakt Schule steht eines ganz klar im Vordergrund: Die Förderung von Investitionen in die digitale Infrastruktur. Das heißt im Umkehrschluss, dass Personalkosten für die Wartung und das Management der Netze nicht aus diesem Topf finanziert werden können. Dennoch wollen Schulen und Träger wissen, wie es weitergeht, wenn das WLAN erst einmal in der Schule installiert ist. Es ist also unabdingbar, bereits im Vorfeld zu klären, wie Wartung, Management und Monitoring in Zukunft aussehen sollen. Neben der grundlegenden Netzplanung ist dies einer der ganz wesentlichen Punkte, an denen Fachhändler und Systemhäuser unterstützen können. Sie wissen, welche Art der Infrastruktur und welche Komponenten gebraucht werden und können den Schulen ein Gefühl dafür geben, welche Folgekosten auf sie zukommen. 

Doch es müssen nicht nur die Besonderheiten des Förderprojekts sowie die länderspezifischen Förderrichtlinien beachtet werden. Viele Schulprojekte unterscheiden sich auch in puncto Ablauf deutlich von Vernetzungsprojekten in der Wirtschaft.

Von Ferien und anderen Besonderheiten

So ist der Rollout eines flächendeckenden WLANs mit allen damit einhergehenden Installationsarbeiten meist nur in den Ferienzeiten sinnvoll durchführbar. Außerdem ist es wichtig, sich nicht von vornherein auf ein Konzept zu fokussieren, sondern ergebnisoffen Vor- und Nachteile der – sehr unterschiedlichen! – Ansätze abzuwägen. Sollen die Klassen mit schuleignen Tablets ausgestattet werden? Oder doch lieber Bring-your-own-Device, wo jeder Schüler sein eigenes Endgerät mitbringt? Die Frage ist durchaus wichtig! Denn Endgeräte werden nur dann über den Digitalpakt gefördert, wenn bereits ein WLAN-Netz vorhanden ist. Falls nicht, muss dieses zuvor mit Hilfe der Fördermittel aufgebaut werden.

Beim Management wiederum bevorzugen die einen die klassische Verwaltung über einen WLAN-Controller, andere setzen auf einen modernen Ansatz, der das WLAN softwaredefiniert und hochautomatisch über einen Cloud-Dienst steuert.

Ganz wichtig für Schulen: Sicherheit und Datenschutz. Auch diese Aspekte sollten thematisiert werden. Wie sieht es zum Beispiel mit der Netztrennung aus? Sind Firewalls zum erweiterten Schutz sinnvoll? Ist die eingesetzte Hardware vertrauenswürdig? Wo werden die gegebenenfalls eingesetzten Cloud-Dienste gehostet, und gelten in den Ländern hohe Datenschutzstandards? Schließlich liegen in jedem Schulnetz massenweise hochsensible, personenbezogene Daten.

Bei der Ausschreibung punkten

Doch die größte Herausforderung für kleinere IT-Dienstleister, die mit Projekten im Schulumfeld liebäugeln, dürfte ganz woanders liegen. Viele der Projekte, die in den nächsten Wochen und Monaten ins Leben gerufen werden, werden der Ausschreibungspflicht unterliegen. Für Fachhändler und Systemhäuser bedeutet das zum einen, dass sie Expertise im Ausschreibungs- und Vergaberecht aufbauen und zum anderen versuchen sollten, sich möglichst früh in die Projekte einzubringen, um so möglicherweise den Inhalt der Ausschreibung mitzuprägen. Ebenfalls für Viele neu sein dürften die „Ergänzenden Vertragsbedingungen für die Beschaffung von IT-Leistungen“ (EVB-IT) des Bundes. Diese speziellen „AGB“ sind zwar eigentlich nur für Bundesbehörden bindend. Viele Kommunen und Städte nutzen sie dennoch der Einfachheit halber auch für die eigenen Projekte. Ein Blick in das Thema kann also nicht schaden.

Best Practices: Von anderen profitieren

Der Digitalpakt Schule soll aktuell laufende Projekte weiter vorantreiben und vor allem Digitalisierungsneulingen mit den zur Verfügung stehenden Fördermitteln unter die Arme greifen. Diese profitieren davon, dass sie nicht „bei Null“ anfangen müssen, sondern von den zahlreichen Vorreitern im In- und Ausland profitieren können. Hier gibt es viele Best Practice-Beispiele, von denen Schulen – aber auch Händler – lernen können.

Auch wir bei LANCOM haben hier über viele Jahre eine fundierte Expertise aufgebaut, beispielsweise im Kontext der Ausstattung aller Sekundarschulen in Luxemburg mit einer standardisierten, sicheren WLAN-Infrastruktur. Oder auch bei waschechtem „Bring-your-own-device“. Sollten Sie also Tipps, Hilfe oder Unterstützung brauchen – oder einfach nur einen tieferen Einblick in unsere zahlreichen Best Practice-Beispiele –, melden Sie sich gerne. Wir freuen uns.

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