Deutschland, Hotspot-Diaspora?

Veröffentlicht am: 6. Februar 2014 Autor: Ralf Koenzen Veröffentlicht in Technologie, Trends 2 Kommentare

Public_Spot_Banner_300Hinter mir liegt gerade mal wieder eine Woche voller Reisen. Alles dabei an öffentlichen Verkehrsmitteln, was man sich so vorstellen kann. Flugzeug, Zug, U-Bahn… Und natürlich einige Nächte im Hotel, weit weg vom heimischen Wohlfühl-Breitband-Internetzugang.

Was mich dabei immer wieder erstaunt, und zugegeben auch manchmal verärgert, ist das geringe Angebot wirklich schneller, drahtloser Internet-Zugänge hierzulande. Am Flughafen mag es gerade noch so gehen, wobei auch hier die Netze teilweise wirklich langsam sind (da geht heute mehr!). Aber spätestens im Hotel hört meine Akzeptanz für langsame, unkomfortable Netzzugänge auf. Und WLAN-Hotspots im öffentlichen Raum? In Deutschland sucht man sie (fast) vergebens. So muss auf die oft langsamen – und teuren! –  Mobilfunknetze ausgewichen werden, die teilweise auch noch schlecht zu empfangen sind und mobiles Arbeiten zur Qual machen.

Doch warum ist das so? Warum tut sich Deutschland so schwer beim Aufbau eines echten Breitbandangebots?

Der neidvolle Blick ins Ausland
In Paris stehen an über 260 Orten kostenlose WLAN Hotspots zur Verfügung und erlauben breitbandiges Surfen. In öffentlichen Parks genauso wie in Bibliotheken, Museen und Verwaltungseinrichtungen. Auch in Österreich sprießen die Hotspots wie Pilze aus dem Boden und machen auch vor luftiger Höhe nicht Halt. So ging vor wenigen Wochen der erste Hotspot in der Gondel in Betrieb: am Hochkönig, einer beliebten Ski- und Urlaubsregion im Salzburger Land, surfen die Touristen jetzt selbst auf dem Weg zum Gipfel schnell im Netz.

Richtig blass vor Neid werde ich beim Blick nach Estland. Das kleine Land ist uns bei der Digitalisierung meilenweit voraus und verfügt schon seit Jahren über ein fast flächendeckendes WLAN-Hotspot-Netz. Ganz egal, ob in der Stadt, im Dorf oder auf einer der vielen Inseln: zum nächsten Hotspot ist es nie weit.

Dass dies nicht zum Selbstzweck aufgebaut wurde, dürfte klar sein. Denn in diesem Punkt sind sich Wirtschaftsexperten einig: ein schnelles, mobiles Internet ist ein wesentlicher Wirtschaftsfaktor und legt die Basis für viele neue Geschäftsmodelle.

Die Suche nach den Gründen…
Sind wir Deutschen einfach zu zögerlich beim Ausbau neuer Technologien? Oder sind wir weniger online-affin? Ist der Ausbau zu teuer? Oder ist es die unklare Rechtslage hierzulande, die kleinere Betreiber öffentlicher WLAN-Zugänge großen Risiken aussetzt und sie unangemessen gegenüber den großen Providern benachteiligt (Stichwort Störerhaftung)?

Genau das möchten wir jetzt genauer wissen. Unsere Umfrage „WLAN Hotspots: Verbreitung, Nutzung, Akzeptanz“ ist ab sofort online. Helfen Sie uns, das Rätsel zu lösen.
Wir sind sehr neugierig auf Ihre Meinung!

PS: Natürlich gibt es auch etwas zu gewinnen: Eine leistungsfähige Hotspot-Komplettlösung…

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  1. Hallo Herr Koenzen, die unklare Rechtslage ist sicherlich ein Aspekt, der viele potentielle Betreiber erst einmal abschreckt. Viel gravierender sehe ich in unserem Umfeld jedoch die Anbindung der Public-Spot WLANs an das Backbone. Um 500 Benutzern gleichzeitig einen performanten Internetzugang über PBS zu gewähren, wird mindestens eine echte 100 MBit-Leitung als Anbindung des Controllers benötigt, besser mehr. Ich kann für Schleswig-Holstein sprechen, da sieht es gerade an den Stellen, wo PBS wünschenswert wäre (mangelnde GSM-Abdeckung), auch mit Kabelinternet ganz schlecht aus. Mehr als DSL 6.000 ist häufig nicht machbar, selbst in städtischen Bereichen.

    • Hallo Herr Graßhoff, da haben Sie natürlich recht! Die nach wie vor mangelhafte Breitbandversorgung ist ein enormes Problem. Es deckt sich mit meinen Beobachtungen, dass oftmals eine WLAN-Infrastruktur vorhanden ist, aber die Bandbreite einfach viel zu gering ist. Maximal 3 oder 6 Mbit/s, die oft selbst innerhalb von großen Städten noch anzutreffen sind, reichen heute selbst für kleinste Hotels und Public Spots nicht mehr aus. Aufgrund des hohen Streaming-Anteils von WLAN Public Spot Benutzern sind ergänzende Mobilfunkanbindungen (LTE mit immerhin bis 100 Mbit/s) auch keine Lösung, das ist einfach zu teuer. Verbleibt also nur die Hoffnung auf Fortschritt durch die neue Netzallianz, die Minister Dobrindt ins Leben rufen will. Aber ob diese kurz- oder mittelfristig hier eine Verbesserung bzgl. der Bandbreitensituation ermöglicht, muss sich noch zeigen. Ich bin da eher etwas desillusioniert. Deshalb arbeiten wir auch schon an weiteren Alternativen – Update hierzu folgt!

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