WLAN im Regionalverkehr: Warten auf den schnellen Weg ins Netz

Veröffentlicht am: 22. Oktober 2015 Autor: Ralf Koenzen Veröffentlicht in Technologie, Trends 2 Kommentare

wlan-regionalverkehrWer beruflich oder privat viel Bahn und Bus fährt, kennt das Problem: langsamer und lückenhafter Mobilfunkempfang und damit einhergehend eine schlechte bis teilweise nicht vorhandene Internetanbindung. Das ist oft ärgerlich, und für jemanden, der auch noch effizient arbeiten möchte, ein kaum akzeptabler Zustand. Dennoch haben sich viele Pendler mittlerweile damit abgefunden.

Doch Rettung naht! Oder doch nicht? Jedenfalls hat Bundeverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) Anfang Oktober den Vorstoß gewagt und einen schnellen drahtlosen Internetzugang über WLAN für Pendler im Regionalverkehr gefordert. Zukünftig soll ein WLAN-Angebot fester Bestandteil von Ausschreibungen im Regionalverkehr werden – damit wären die Bundesländer in der Pflicht, dies zu berücksichtigen.

Grundsätzlich ist das ein vorbildlicher Einwurf von Herrn Dobrindt. Betrachten wir aber die Realität, dürfte schnell Ernüchterung einkehren und die Erkenntnis kommen: hier ist der Wunsch der Vater des Gedanken.

Zum einen steht immer noch eine politische bzw. rechtliche Frage im Raum: es gibt nämlich bislang keine abschließende Antwort auf die Haftungsfrage (Störerhaftung) bei öffentlichen Drahtlosnetzwerken. Im Blog habe ich bereits einige Beiträge zu diesem Thema geschrieben. Schließlich wollen auch Anbieter, die sich auf die Ausschreibungen im Regionalverkehr bewerben, Haftungsrisiken weitgehend ausschließen. Dass man zwangsläufig als Anbieter immer auf einen WLAN-Hotspot-Betreiber, der über die rechtlich sichere Stellung eines Providers verfügt, zurückgreifen muss, sollte dabei nicht die Lösung des Problems sein.

Wie lange sich die Diskussionen um die Abschaffung der WLAN-Störerhaftung noch hinziehen werden, ist aktuell ungewiss. Fakt ist, das Kabinett hat einen Gesetzentwurf bewilligt, dem trotz grundlegender Verbesserungen zur aktuellen Situation in der Öffentlichkeit, insbesondere von privaten Anwendern, viel Gegenwind entgegenweht. Es kommt nun auf die Parlamentarier an, die hoffentlich eine baldige Entscheidung fällen.

Zum anderen stellt sich die Frage nach der technischen Realisierung. Haben Sie schon mal in der ersten Klasse in einem vollen ICE versucht, den WLAN-Hotspot zu nutzen? Das Ergebnis des Versuchs dürfte in den meisten Fällen nicht zufriedenstellend gewesen sein. Grundsätzlich kann man hier weder der Bahn noch dem Hotspot-Betreiber groß Vorwürfe machen. Das Problem liegt woanders, nämlich darin, dass die Internetanbindung über Mobilfunk läuft. Somit dürfte der schnelle drahtlose Internetzugang für den Nutzer oft schwerer Realität werden, als es gemeinhin vermutet wird, z. B. kann in unterversorgten Gebieten, wo kein ausreichendes LTE-Signal verfügbar ist, die Performance drastisch in den Keller sinken oder das Signal fällt gleich ganz weg. Gerade auf Bahnstrecken mit ihrer oft schwierigen Topologie abseits von Straßen und Siedlungen wird die Signalversorgung eine besondere Herausforderung darstellen.

Gleichzeitig handelt es sich bei LTE bzw. anderen Mobilfunkstandards – wie beim WLAN auch – um ein sogenanntes Shared Medium. Hier wird die gesamte Kapazität der Funkzelle mehr oder weniger gerecht auf alle aktiven Nutzer verteilt. Die Rechnung ist dann einfach: viele Nutzer – wenig Leistung. Ein Garantieversprechen für dauerhaft schnelles und leistungsstarkes Surfen im Zug kann so kaum gehalten werden. Auf jeden Fall müsste die Versorgung mit Mobilfunk von den Mobilfunkanbietern deutlich ausgebaut werden, damit man ein leistungsstärkeres Netz für den Internetzugang über WLAN sicherstellen kann. Das ist allerdings auch mit hohen Kosten verbunden.

Wir sehen also, ganz so einfach wie Herr Dobrindt sich das Ganze vorstellt, ist es leider nicht. Eine geänderte Ausschreibung macht noch keinen schnellen Internetzugang. Für die Pendler wird es also vermutlich erst mal weiterhin heißen: warten auf den schnellen Weg ins Netz.

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  1. Nicht vergessen sollte man auch die unterschiedlichen “Arbeitsweisen” der Mobilgeräte in WLAN-Netzen und in Mobilfunknetzen.

    Befindet sich ein Mobilgerät im Mobilfunknetz wird i.d.R. der Datenverkehr reduziert und bestimmte Funktionen werden automatisch eingeschränkt. Zum Beispiel wird das Herunterladen von Programm- und Betriebssystemupdates im Hintergrund ausgeschaltet, ebenso wird – je nach Gerät und Betriebssystem – das Herunterladen von E-Mail – Anhängen unterbunden.

    In WLAN-Netzen sind alle datenintensiven Programme wieder aktiv, Updates und Mail-Anlagen werden heruntergeladen, Daten werden syncronisiert, Standortdaten werden aktualisiert, usw. usf..

    Nutzen beispielsweise 50 Fahrgäste jeweils ihr eigenes Mobilfunknetz bleibt der Datenstrom überschaubar und wird auch noch auf mehrere Mobilfunkanbieter verteilt (ähnlich wie Load Balancing).
    Nutzen die selben 50 Fahrgäste in der gleichen Zeit das mobile WLAN des ÖPNV ist der Datenstrom deutlich höher und der gesamte Datenstrom wird (wahrscheinlich) nur über EINEN Mobilfunkanbieter abgewickelt. Hier wird es auch wenig helfen, wenn die Fahrzeuge (ICE, Straßenbahn, …) über ihre gesamte Länge mit mehreren Mobilfunkantennen ausgestattet sind. Hinzu kommen die gegenseitigen Beeinflussungen innerhalb des WLAN-Netzes aufgrund der Kanalüberlagerungen.

    Aus meiner Sicht wäre es besser, in den Bussen und Bahnen gäbe es eine Art Mobilfunkrepeater. Diese können ihr Signal aus mehreren Außenantennen auf den Bahnen beziehen so dass Störungen (Tunnel, Brücken, u.ä.) kompensiert werden. Die Störerhaftung wäre damit auch geklärt.

    Schade dass bei unseren Politikern der Einfluss der GEMA, der Musikindustrie und der anderen Lobbyisten größer ist als die Beratung durch IT-Fachkräfte!

    • Lieber Herr Jäger,

      vielen Dank für Ihren Beitrag und die weiteren Ausführungen. Wie man sieht, ist das Thema doch etwas komplizierter, als es in der breiten Öffentlichkeit oft wahrgenommen wird.

      Ich bin gespannt, wie sich das Ganze in den nächsten Monaten weiterentwickelt.

      Beste Grüße,
      Ralf Koenzen

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